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1902 – 1905

Der Westen ist abgeriegelt

Eine Seuche kam aus dem Osten. Die Regierung schickte keine Ärzte, sondern Maschinen. Dann brach der Kontakt ab.

Die Seuche

Im Herbst 1902 sterben in den Städten des Ostens Menschen an einer Krankheit, für die niemand einen Namen hat. Später nennt man sie The Pale, Ash Fever oder Red Plague. Im Bezirk sagt man Bleiches Fieber. Wer sie bekommt, wird grau im Gesicht, hustet Asche und ist binnen Tagen tot.

Innerhalb weniger Monate sterben Hunderttausende. Die Züge werden angehalten, die Grenzen der Bundesstaaten geschlossen, ganze Städte abgeriegelt. Wer kann, flieht nach Westen. Genau dorthin, wo du jetzt bist.

Mann mit Zylinder an der Bahnstrecke, im Dunst dahinter die Festung.
Seit die Züge stehen, bringt niemand mehr Nachschub. Was rollt, rollt auf Beinen.

Das Federal Bureau of Sanitation

Die Bundesregierung gründet eine Behörde, die die Seuche aufhalten soll. Ihr Leitspruch steht auf jedem Formular, jedem Waggon und jeder Maschine:

Contain. Purify. Rebuild.

Das Bureau rettet keine Menschen. Es reinigt Gebiete. Dafür schickt es, was das Militär Jahre zuvor für einen Krieg gebaut hat, den es nie gab: schwere, selbstständig laufende Maschinen mit Dieselmotoren, Suchscheinwerfern und Maschinengewehren. In den Akten heißen sie Purifier Class. Im Volksmund heißen sie anders: Walkers. Reapers. Die Dinger.

Der Fehler

Am Anfang funktioniert das System. Verseuchte Gebiete werden abgeriegelt, Kranke isoliert. Dann ändert jemand in Washington eine Definition. „Infiziert“ heißt nicht mehr „trägt die Krankheit“, sondern:

Person is located within a contaminated zone.

Damit ist jeder Mensch im Bezirk ein Fall für die Reinigung. Farmer, Sheriffs, Ärzte, Kinder, die eigenen Soldaten. In den Unterlagen stehen sie nicht mehr als Bürger, sondern als C-Class Biological Contaminants.

Auf dem Papier bist du tot

Nach außen ist die Sache erledigt. Auf den Karten der Behörde trägt dein Land einen Stempel:

  • New Hanover Quarantine Territory — Entry prohibited
  • San Andreas Sanitary District No. 6
  • Status: sterilized

Washington behauptet, hier lebe niemand mehr. In Wahrheit leben hier noch Menschen. Sie handeln, sie streiten, sie feiern, sie begraben ihre Toten. Nur eben unter Maschinen, die einen Befehl ausführen, den niemand mehr zurücknimmt.

Seit über einem Jahr kein Wort mehr

Seit 1904 keine Züge, keine Zeitungen aus dem Osten, keine neuen Befehle, keine neuen Soldaten, kein Sold. Ob es die Regierung überhaupt noch gibt, weiß niemand. Vielleicht hat die Seuche Washington selbst erwischt. Vielleicht wurde das Programm abgebrochen und niemand hat es den Maschinen gesagt.

Wer heute funkt, erreicht nur noch den Bezirk. An acht Stellen lassen sich Funkmasten errichten, und das tun die Leute selbst. Ein Mast trägt 1.800 Meter weit, frisst Kohle und steht genau so lange, bis jemand Dynamit daran legt.

Die Maschinen laufen weiter. Immer nach derselben Anweisung: Contamination must be removed.

Wo die Menschen sind

Eine Stadt lebt noch

Saint Denis ist voll, laut und dreckig. Hier gibt es Strom, Handel, Gerüchte und jemanden, der dir eine Waffe verkauft, ohne nach dem Namen zu fragen. Um die Stadt zieht sich eine Mauer, mit Türmen für Maschinengewehr und Scheinwerfer und mit Toren an der Brücke und an der Bahn.

Die anderen Orte sind leer: Valentine, Rhodes, Blackwater, Strawberry, Annesburg, Van Horn, Armadillo, Tumbleweed, Wapiti, Colter, Emerald Ranch, Wallace Station und die Höfe dazwischen. Türen stehen offen, das Vieh ist verwildert, in den Saloons steht das Glas noch auf dem Tresen.

Leer heißt nicht sicher. Das Sanitation Corps hält manche dieser Orte besetzt, mit Posten, die auf alles schießen, was sich bewegt. Und wo keine Menschen mehr sind, sind die Rudel: Wölfe, Kojoten, verwilderte Hunde.

Die Bleichen

Nicht jeder, den das Fieber erwischt, stirbt im Bett. Manche ziehen weiter, in Horden von sechs bis zwölf, über Felder und durch Wälder. Man nennt sie die Bleichen. Tagsüber ist in jedem Bundesstaat eine Horde unterwegs, nachts sind es zwei. In einer Ortschaft oder neben einem Bau tauchen sie nicht auf.

Ihr Biss steckt in einem von vier Fällen an. Das Bleiche Fieber verläuft in vier Stufen, nimmt dir bis zu siebzig Prozent deiner Lebenskraft, und auf der letzten Stufe kannst du nicht mehr gehen. Die Maschinen und das Corps jagen die Bleichen. Dich jagen sie trotzdem weiter.

Wie es dazu kam

Zeitleiste

  1. bis 1901

    Die Industrie läuft schneller als anderswo. Dampf weicht schweren Verbrennungsmotoren, erste elektrische Anlagen gehen in Betrieb. Das Militär lässt Maschinen bauen, die ohne Besatzung laufen können.

  2. Herbst 1902

    Die ersten Toten im Osten. Die Krankheit hat noch keinen Namen. Züge werden angehalten, Städte abgeriegelt.

  3. Frühjahr 1903

    Das Federal Bureau of Sanitation übernimmt. Die ersten Maschinen rollen in die Bezirke. Anfangs mit Ärzten an Bord.

  4. 14. September 1903

    Die Notstandsdurchsage: Die Evakuierung sei abgeschlossen, im Bezirk befinde sich keine Zivilbevölkerung mehr. Am selben Tag beginnen die Säuberungsmaßnahmen.

  5. 1904

    Der Funkverkehr mit Washington bricht ab. Keine Befehle mehr, keine Ablösung. Die Maschinen setzen ihren letzten Auftrag fort.

  6. 1905 · Heute

    Zwei Jahre nach der Durchsage gilt der Bezirk als gesäubert. Du stehst mittendrin, und du bist nicht allein.

Vergilbte Akte des Federal Bureau of Sanitation, Betreff Project Eden, fast vollständig geschwärzt.

Fundstück · File No. E-0917

Project Eden

In einem stehengebliebenen Zug lag eine Mappe. Fast alles darin ist geschwärzt. Lesbar sind ein Datum im Februar 1902, ein Bahnhof ohne Namen und die Anweisung, sämtliche Unterlagen zu vernichten.

Mehr steht dort nicht. Mehr sagen wir auch nicht. Den Rest findest du im Spiel heraus – oder du lässt es bleiben, was vermutlich gesünder ist.

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